Kultur und Geschichte

Kulturlandschaft hat Zukunft

Die ökologisch hochwertige, sehr differenzierte Landschaftsstruktur in den Stauden hat sich bis heute weitgehend erhalten, weil die Landwirtschaft bis in die Gegenwart hinein überwiegend extensiv, das heißt kleinstrukturiert und mit verhältnismäßig wenig Betriebsmitteleinsatz betrieben worden ist. Gegenwärtig besteht jedoch Gefahr, dass viele Betriebe ganz aufgegeben werden, weil viele landwirtschaftliche Existenzen unter den standörtlichen Vorraussetzungen der Stauden und der agrarpolitischen Rahmenbedingungen wirtschaftlich nicht mehr weiterbestehen können. Mit dem Aussterben der Bauern ist jedoch die Staudenlandschaft als ökologisches Kleinod bedroht. 

Der Erhalt unseres hochwertigen Lebensraumes und

die drohende Aufgabe handwerklicher Betriebe, gaben Anlaß nachzudenken. Die Probleme wurden von den 15 Bürgermeistern der Stauden nicht nur erkannt, sondern sie haben sich zum Thema " Regionalentwicklung Stauden" intensive Gedanken gemacht. Es wurde ein Gutachten zur agrarstrukturellen Entwicklungsplanung in Auftrag gegeben und zwischenzeitlich zum Abschluß gebracht. In 6 Arbeitskreisen wurde nach Lösungs-möglichkeiten der drängenden Probleme gesucht. Soviel steht fest: Die Probleme können nicht einzeln gelöst werden. Die Themenbereiche sind verflochten und beeinflussen sich gegenseitig.

Um die Landbewirtschaftung weitgehend flächendeckend erhalten zu können, bedarf es eine ausreichende Anzahl von Landwirten. Es läßt sich jedoch kein ausreichendes Einkommen mehr erwirtschaften. Daher müssen zusätzliche Einkommensquellen erschlossen werden, wie z.B. differenzierte Produktionsverfahren, Erzeugungs- und Vermarktungsgemeinschaften, Einkommenskombinationen durch Tourismus und Direktvermarktung. Dies wird nur möglich sein, wenn die Menschen aus dem Großraum Augsburg das landwirtschaftliche Kleinod der Stauden vor ihrer Haustür erkennen und zu schätzen wissen. Es muß eine Partnerschaft zwischen naturliebenden und Erholungssuchenden aus den Ballungsräumen und den Bewohnern der Stauden entstehen. Freilich muß noch manche Infrastruktur verbessert oder geschaffen werden, um das wichtigste Kapital, die Staudenlandschaft zu sichern.

Die Geschichte

Die Stauden stellen einen einzigartigen Natur- und Lebensraum dar. Geographisch ist dieses Gebiet weitgehend identisch mit dem südlichen Teil des "Naturpark Augsburg - westliche Wälder". Erdgeschichtlich sind die Stauden das Hochplateau einer eiszeitlichen Schotterdecke mit einem eigenen (autochthonen) Gewässernetz. Die Staudenplatte stammt aus den alten Eiszeiten im frühen Quartär, als die Fläche zwischen Alpen und Jura eine weitgehend geschlossene Ebene war. Die Schmelzwasserströme der jüngeren Eiszeiten (Günz, Mindel, Riß, Würm) schnitten die Staudenplatte aus der geschlossenen Ebene heraus. Die umliegenden Talräume, Wertach im Osten und Mindel im Westen liegen heute ca. 50 - 70 m tiefer als das Hochplateau der Stauden mit ihrem höchsten Punkt von 654 m im Süden in der Nähe von Markt Wald.

Eine Landschaftsinsel zwischen den Urstromtälern. Das Wort "Stauden" entstammt der mittelalterlichen Niederwaldnutzung, durch die der Hochwald stark geschädigt worden war. Das heutige Landschaftsbild erhielt dadurch seinen typischen Charakter. Kleinflächig, oft verinselt hat sich der Niederwald in Form von Feldgehölzen erhalten. Auch die Rankenstrukturen entlang der Talränder führten zu einer überdurchschnittlich hohen Anzahl ökologisch sehr wertvollen Kleinstrukturen. Je 100 ha werden heute immer noch durchschnittlich 70 Kleinstrukturen gezählt. Daneben gibt es in den Stauden auf etwa 38 km Länge und 15 km Breite, 68 amtlich kartierte Biotope.

Die Schönheit

Für den Toskanakenner sei angemerkt, dass es viele Landschaftselemente in den Stauden gibt, die an die Toskana erinnern. Sanfte Hügel, deren Kuppen oftmals mit Gehölz bewachsen sind oder Wege, die sich entlang von alten Ackerrainen den Höhenlinien der Talränder anschmiegen.         

Bei einer kurzen Rast unter einer Silberweide fühlt sich der Wanderer unmittelbar in einen Olivenhain versetzt und träumt möglicherweise seinen Toskanaerlebnissen nach.
Eine Wanderung kann zu einem inneren Wegerlebnis werden, wenn der Wanderer in ein dichtes Blätterdach von Laubgehölzen tritt. Etwas anheimelndes auch bedrängendes erfüllt die Seele.
Ein geradezu befreiendes Erlebnis ist hernach ein Tritt wieder hinaus in das Freie, mit weitem Blick in ein sonniges Tal. Nicht nur die physische Anstrengung des Gehens führt zu einem gleichmäßigem Atemrhythmus, auch die Seele empfindet die wechselnden Eindrücke wie einen Atmungsprozeß. Der ganze Mensch fühlt sich mit einmal mit sich selbst und der umgebenden Landschaft im Einklang.

Besuchen und erleben Sie die Stauden, es wird für Sie und für die Stauden gewinnbringend sein.

     

Tags: Kultur, Geschichte, Ökologie

Förderung

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER).

 

 

 

Kontakt

Regionalentwicklung Stauden - RES e.V.

Hauptstr. 16
86850 Fischach

Tel: (0 82 36) 58 11 0
Fax: (0 82 36)) 58 14 0

e-mail: renate.meier@fischach.bayern.de
homepage: www.dieStauden.eu